Der tiefste Playoff-Run der Cleveland Cavaliers seit der Abreise von LeBron James im Jahr 2018 ist perfekt: Zum neunten Mal in ihrer Franchise-Geschichte stehen die Cavs in den Eastern Conference Finals. Mit einem dominanten 4:1-Erfolg in der Serie gegen die Detroit Pistons (nach einem 3:2-Rückstand) setzten sie sich im entscheidenden siebten Spiel in Detroit mit 112:89 durch. Die Schwächen der Pistons wurden im wichtigsten Moment der NBA-Playoffs am offensichtlichsten, allen voran die Leistung ihres Superstars Cade Cunningham.
Der Weg zu diesem historischen Moment
Seit LeBron James die Cavaliers nach der Saison 2017/18 in Richtung Los Angeles Lakers verließ, durchlief Cleveland einen schmerzhaften Neuaufbau. Vier Spielzeiten in Folge verpassten sie die Playoffs, bevor sie 2023 endlich wieder in die Postseason zurückkehrten – allerdings ohne großen Erfolg. Die erste Runde gegen die New York Knicks endete mit einer 1:4-Niederlage. In der darauffolgenden Saison steigerten sie sich, erreichten die zweite Runde, scheiterten aber an den Boston Celtics.
Dieses Jahr sollte anders werden. Mit einem Kader gespickt mit jungen Talenten wie Darius Garland, Evan Mobley und Jarrett Allen sowie dem erfahrenen Star James Harden, der im Sommer von den Philadelphia 76ers kam, war das Ziel klar: die Conference Finals erreichen und womöglich noch weiter kommen. Der Trade um Harden hatte viele Kritiker, doch in der Regular Season zeigte er, dass er immer noch ein Elite-Scorer und Playmaker ist. Die Cavaliers beendeten die Saison mit der drittbesten Bilanz im Osten – hinter den Boston Celtics und den Milwaukee Bucks.
Die Serie gegen die Pistons
Die Detroit Pistons waren in den Playoffs der Überraschungsgegner nach einem starken Finish in der Regular Season. Angeführt von Cade Cunningham, der sich zum All-Star entwickelt hat, und unterstützt von Jaden Ivey, Jalen Duren und Bojan Bogdanovic, schalteten sie in der ersten Runde die Miami Heat aus. Gegen die Cavaliers starteten sie furios: Mit einem 1:0- und 2:1-Vorsprung zeigten sie, dass sie mit den Besten mithalten können. Doch die Cavs ließen sich nicht beirren.
Besonders Spiel 4 in Cleveland war ein Wendepunkt. Nach einem Rückstand von 14 Punkten im dritten Viertel drehten die Cavaliers auf und gewannen mit 108:101. Der Ausgleich zum 2:2. In Spiel 5 in Detroit war es James Harden, der zwar selbst kaum traf (3 von 12 aus dem Feld), aber mit 14 Assists das Spiel machte. Donovan Mitchell und Darius Garland übernahmen die Punktelast. Die Cavs gewannen mit 119:105. Spiel 6 in Cleveland war ein Krimi: In der Verlängerung setzten sich die Pistons mit 122:118 durch – Cunningham erzielte 35 Punkte, traf aber wichtige Würfe nicht in den letzten Minuten. So kam es zum alles entscheidenden Spiel 7.
Game 7: Cavs dominieren von Beginn an
In der Little Caesars Arena in Detroit waren die Pistons vor heimischem Publikum euphorisch. Doch die Cavaliers hatten andere Pläne. Von der ersten Minute an übernahmen sie die Kontrolle. Jarrett Allen dominierte die Bretter (18 Rebounds, 5 Blocks), Evan Mobley zeigte seine Klasse in der Defense (3 Steals, 2 Blocks) und Donovan Mitchell traf aus allen Lagen – am Ende standen 28 Punkte bei 56% Wurfquote.
Cade Cunningham hingegen erlebte einen Albtraum. Er traf nur 5 von 19 Würfen, davon 1 von 8 aus der Distanz, und leistete sich 7 Turnover. Die Pistons als Team wirkten überfordert, als sie auf eine aggressive Verteidigung der Cavs trafen, die immer wieder zu Fastbreak-Punkten führte. Nach dem ersten Viertel führten die Cavs 32:19, zur Halbzeit 60:41. Der Vorsprung schmolz nie unter 15 Punkte. Im dritten Viertel erhöhten sie ihn sogar auf 30 Punkte. Die letzten Minuten waren eine Gala der Bank-Spieler der Cavs.
James Harden selbst hatte mit seiner Wurfhand zu kämpfen: 2 von 11 aus dem Feld, 1 von 6 von der Dreierlinie, 6 Punkte. Doch wie schon in Spiel 5 machte er das durch kluge Entscheidungen wett: 10 Assists, 6 Rebounds, nur 2 Turnover. Die Cavs bewiesen, dass sie nicht von einem einzelnen Star abhängig sind, sondern als Team funktionieren. Darius Garland steuerte 22 Punkte und 7 Assists bei, Caris LeVert kam von der Bank für 16 Punkte, und sogar Dean Wade traf wichtige Dreier (3 von 5).
Historische Einordnung: Die Cavs nach LeBron
Die Ära um LeBron James war die glorreichste in der Geschichte der Cleveland Cavaliers. Von 2015 bis 2018 erreichten sie viermal in Folge die NBA Finals, gewannen 2016 die erste Meisterschaft der Franchise-Historie. Nach LeBrons Abgang folgte ein Scherbenhaufen. Kevin Love, der letzte verbliebene Star, kämpfte mit Verletzungen und wurde später weggeschickt. Der Wiederaufbau begann mit dem Draft von Collin Sexton (2018), Darius Garland (2019) und Evan Mobley (2021). Mit dem Erwerb von Jarrett Allen (2021) und Donovan Mitchell (2022) sowie dem Trade für James Harden (2025) formte General Manager Koby Altman ein Team, das nun endlich die Früchte erntet.
Die Conference Finals sind für die Cavs eine Rückkehr in die Elite des Ostens. Sollten sie diese Serie überstehen, wäre es der dritte NBA-Final-Einzug der Franchise ohne LeBron James – nach 1976 und 2007. Dass sie nun gegen die Boston Celtics oder die Milwaukee Bucks antreten müssen, wird die ultimative Prüfung.
Das Drama um Cade Cunningham
Cade Cunningham war in dieser Saison der unumstrittene Anführer der Detroit Pistons. Mit durchschnittlich 26,4 Punkten, 7,2 Rebounds und 6,8 Assists führte er das Team zurück in die Playoffs, nachdem sie in den letzten vier Jahren jeweils weniger als 30 Spiele gewonnen hatten. Die Erwartungen an ihn waren enorm, und er lieferte in der Serie gegen die Heat großartige Leistungen ab. Doch gegen die Cavs bekam er vor allem in den entscheidenden Momenten Druck.
In Spiel 7 war die Belastung zu hoch. Er wirkte müde, traf falsche Entscheidungen und ließ sich von der Cavs-Defensive aus dem Rhythmus bringen. Die Fans in Detroit waren enttäuscht, doch viele sahen darin auch eine wichtige Lernkurve für den 24-Jährigen. Trotz des Ausscheidens ist die Zukunft der Pistons vielversprechend. Mit jungen Talenten wie Jaden Ivey (19 Punkte in Spiel 7) und Jalen Duren (12 Punkte, 14 Rebounds) haben sie ein starkes Fundament. Der Weg nach oben ist jedoch noch lang.
Ein Blick auf die restlichen Playoffs
Die Cavaliers warten nun auf den Gewinner der Serie zwischen den Boston Celtics (1. der Regular Season) und den Milwaukee Bucks (4.). Derzeit führt Boston mit 3:2. Ein mögliches Duell mit den Celtics wäre eine Neuauflage der zweiten Runde von 2024, in der die Cavs 1:4 verloren hatten. Damals fehlte ihnen die Erfahrung, jetzt haben sie durch den Harden-Trade und die Entwicklung ihrer jungen Stars mehr Tiefe. Gegen die Bucks hingegen hätten sie Heimvorteil (3. vs. 2?), aber Giannis Antetokounmpo bleibt eine unberechenbare Größe.
Die Offensive der Cavs wird nun noch stärker gefordert werden. James Harden muss seinen Wurf wiederfinden, Donovan Mitchell und Darius Garland müssen die Lücken in der Defense der Gegner ausnutzen. Die Defensive um Mobley und Allen wird gegen die Topscorer des Gegners entscheidend sein. Eines ist sicher: Die Cavaliers haben sich ihren Platz in den Conference Finals verdient, und die NBA-Welt schaut gespannt, ob sie den nächsten Schritt machen können.
Die Pistons hingegen gehen mit erhobenem Haupt aus den Playoffs. Sie haben gezeigt, dass sie eine Zukunft haben. Cade Cunningham wird aus diesem Spiel lernen, und das Team wird im nächsten Jahr noch stärker zurückkommen. Für die Cavaliers aber ist jetzt der Moment gekommen, um zu zeigen, dass sie bereit sind für die ganz große Bühne – erstmals seit der Ära um LeBron James.
Source: Spox News