Der ehemalige Präsident des spanischen Fußballverbandes, Luis Rubiales, ist bei seiner Rückkehr aus der Dominikanischen Republik am Mittwoch, dem 3. April 2024, auf dem Flughafen Adolfo Suárez in Madrid kurzzeitig festgenommen worden. Beamte der Guardia Civil nahmen den 46-Jährigen in Gewahrsam, setzten ihn jedoch nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß. Dies berichteten der staatliche TV-Sender RTVE sowie mehrere andere Medien. Eine offizielle Mitteilung der Behörden lag zunächst nicht vor, jedoch bestätigte ein Sprecher der Guardia Civil auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass der Bericht korrekt sei.
Rubiales war nach einem Aufenthalt in der Dominikanischen Republik mit einem Linienflug in Madrid gelandet. Noch auf dem Flughafen wurde er von den Polizisten in Empfang genommen und über seine rechtliche Situation informiert. Es wird erwartet, dass er in Kürze eine Vorladung von der zuständigen Richterin erhält, um in der Sache der mutmaßlich irregulären Verträge vernommen zu werden. Rubiales hat alle Vorwürfe gegen sich zurückgewiesen – sowohl die der sexuellen Aggression als auch die der Korruption.
Hintergrund der Ermittlungen
Die Ermittlungen gegen Rubiales erstrecken sich auf zwei große Bereiche: Zum einen wird ihm vorgeworfen, während seiner fünfjährigen Amtszeit als Präsident des spanischen Fußballverbandes RFEF unregelmäßige Verträge abgeschlossen zu haben. Dabei geht es um Korruption im Geschäftsverkehr, unlautere Verwaltung und Geldwäsche. Die genauen Vorwürfe beziehen sich auf Verträge für Freundschaftsspiele der Nationalmannschaften und andere geschäftliche Abmachungen, die angeblich ohne ordnungsgemäße Ausschreibung zustande kamen. Die Staatsanwaltschaft prüft zudem mögliche Zahlungsflüsse an Dritte, die als Bestechung gewertet werden könnten.
Zum anderen läuft in Spanien ein Strafverfahren wegen des Kuss-Skandals bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2023 in Australien. Rubiales hatte bei der Siegerehrung nach dem gewonnenen WM-Titel die Spielerin Jennifer Hermoso auf den Mund geküsst. Hermoso widersprach der Aussage von Rubiales, der Kuss sei einvernehmlich erfolgt. Die Staatsanwaltschaft sieht darin eine sexuelle Aggression, die in Spanien strafbar ist. Der Kuss hatte weltweit für Empörung gesorgt und das Bild des spanischen Fußballs nachhaltig beschädigt.
Karriere und Aufstieg von Luis Rubiales
Luis Rubiales wurde am 23. August 1977 in Las Palmas de Gran Canaria geboren. Er begann seine Profikarriere als Fußballer und spielte unter anderem für den FC Barcelona, Levante UD und den FC Xerez. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn wechselte er in die Fußballverwaltung und engagierte sich in der spanischen Spielergewerkschaft AFE, deren Präsident er von 2010 bis 2017 war. In dieser Rolle setzte er sich für die Rechte der Spieler ein und erlangte große Bekanntheit. 2018 wurde er zum Präsidenten des spanischen Fußballverbandes RFEF gewählt, nachdem er den langjährigen Amtsinhaber Ángel María Villar abgelöst hatte. Rubiales galt als modernisierender Reformer, der den Verband nach Jahren der Vetternwirtschaft erneuern wollte.
Seine Amtszeit war jedoch von zahlreichen Kontroversen geprägt. Bereits vor dem Kuss-Skandal gab es Kritik an seinem Führungsstil und an den hohen Kosten für die Prämienzahlungen an Nationalspieler. Zudem warf ihm die Opposition vor, unzulässigen Einfluss auf die Auswahl der Trainer zu nehmen. Unter seiner Führung gewann die spanische Nationalmannschaft der Frauen 2023 den Weltmeistertitel, doch dieser Erfolg wurde durch den Kuss-Skandal überschattet.
Die Folgen des Kuss-Skandals
Der Kuss von Rubiales auf den Mund von Jennifer Hermoso löste eine Welle der Empörung aus. Die Spielerin und ihre Teamkolleginnen distanzierten sich öffentlich von Rubiales und forderten Konsequenzen. Der spanische Fußballverband stand unter massivem Druck, und die Regierung schaltete sich ein. Rubiales weigerte sich zunächst zurückzutreten und behauptete, der Kuss sei einvernehmlich gewesen. Erst nachdem die FIFA ein Verfahren eingeleitet und ihn vorläufig suspendiert hatte, trat Rubiales im September 2023 als Verbandschef zurück. Die FIFA verhängte später eine dreijährige Sperre gegen ihn, die alle Fußballaktivitäten umfasst. Der Fall wird auch vor spanischen Gerichten verhandelt, wo ihm eine mehrjährige Haftstrafe droht. Allerdings werden Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren in Spanien in der Regel zur Bewährung ausgesetzt.
Weitere rechtliche Schritte
Die Guardia Civil durchsuchte im Rahmen der Korruptionsermittlungen bereits mehrere Büros des spanischen Fußballverbandes und sicherte Unterlagen sowie elektronische Geräte. Die Ermittler prüfen zudem Konten von Rubiales und nahestehenden Personen. Es wird vermutet, dass er über Strohfirmen Geld aus unregelmäßigen Verträgen verschleiert haben könnte. Die Exekutive hat angekündigt, keine Ausnahme zu machen und das Verfahren mit aller Härte zu verfolgen.
Rubiales selbst hat stets betont, dass er unschuldig sei. Er sieht sich als Opfer einer Kampagne, die von seinen politischen Gegnern innerhalb des Verbandes gestartet wurde. Dennoch mehren sich die Anzeichen, dass er sich einer Reihe von Straftaten verantworten muss. Derzeit ist sein Aufenthaltsort in Spanien – nach der Freilassung am Flughafen – nicht öffentlich bekannt, aber es wird erwartet, dass er sich den Behörden zur Verfügung stellen wird.
Die Ereignisse um Luis Rubiales haben dem spanischen Fußball einen schweren Imageschaden zugefügt. Der Verband steht vor der Herausforderung, die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen und die Führungskrise zu überwinden. Zwischenzeitlich hat Pedro Rocha kommissarisch die Leitung des RFEF übernommen, doch die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger gestaltet sich schwierig. Die Justiz wird in den kommenden Monaten über das weitere Vorgehen entscheiden – ob es zu einer Anklageerhebung kommt und ob Rubiales tatsächlich vor Gericht gestellt wird. Die spanische Öffentlichkeit verfolgt den Fall mit großer Aufmerksamkeit, da er exemplarisch für die Verflechtungen von Macht, Geld und Missbrauch im Profisport steht.
Source: Mallorca Zeitung News