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League-of-Legends-WM: Lee "Faker" Sang-hyeok im Fokus

May 31, 2026  Twila Rosenbaum  3 views
League-of-Legends-WM: Lee "Faker" Sang-hyeok im Fokus

Der Dämonenkönig kehrt zurück

Es ist das Risiko jener, die ganz oben sind, tiefer zu fallen als alle anderen. Und vor fast genau zwei Jahren stürzte Lee Sang-hyeok ins Bodenlose. Der 23-jährige Südkoreaner, weltweit bekannt als „Faker“, gilt als der beste Spieler, den die Disziplin League of Legends je hervorgebracht hat. Dreimal führte er sein Team SK Telecom T1 zum Weltmeister-Titel – 2013, 2015 und 2016. Ab heute spielt er bei der WM in Europa (ab 14 Uhr, Livestream: Twitch) um seinen vierten Titel. Es ist der wohl wichtigste seiner Karriere, denn sein Ruf als „Unkillable Demon King“, der unbesiegbare Dämonenkönig, hat seit November 2017 Risse bekommen.

Der Weg zur Legende

Lee war bereits für sein einzigartiges Talent bekannt, als „Faker“ noch gar nicht existierte. Unter dem Namen „GoJeonPa“ mischte er ab Anfang 2011 die koreanische League-of-Legends-Szene auf. Als er Anfang 2013 zum Top-Spieler der Liga aufstieg, nahm ihn der koreanische Telekommunikationsriese SK Telecom unter Vertrag und baute um ihn herum ein E-Sport-Team auf. Aus „GoJeonPa“ wurde „Faker“. Sein Trainer Kim „kkOma“ Jeong-gyun sagte einmal: „Ehrlich gesagt interessiert sich Faker für wenig außerhalb des Spiels. Wenn er nicht gerade isst, spielt er den gesamten Tag League of Legends.“ Mit weniger Einsatz wird man nicht zur Nummer eins in einem Spiel, das weltweit annähernd 100 Millionen Menschen spielen.

Bei League of Legends wählen Spieler aus über 140 Charakteren aus, die nicht nur unterschiedliche Grundeigenschaften haben, sondern auch über fünf individuelle Sonderfähigkeiten verfügen. Faker kennt sie nicht nur alle, sondern hat auch im Kopf, wie oft sein direkter Gegner sie einsetzen kann. Er weiß, wie sich das Kräfteverhältnis mit aufsteigenden Leveln verändert. Er überblickt genau, wie sich Spieler mit neuen Ausrüstungsgegenständen verbessern. Was sich schon kompliziert liest, ist im Spiel eine noch kompliziertere Gemengelage, die sich sekündlich verändert. Das direkte Duell ist nicht alles – das gesamte Spiel ist in einem ständigen Fluss. Kein anderer Spieler hat diesen Fluss bisher so durchdrungen wie Faker. Hinzu kommen seine herausragenden mechanischen Fähigkeiten, die er täglich gegen die besten Spieler der Welt in der koreanischen Liga trainiert. Zumindest galt sie lange als das Maß aller Dinge.

Die koreanische Dominanz und ihr Niedergang

Ab dem Jahr 2011 werden jährlich Weltmeisterschaften ausgetragen. Seit 2013 gewann jedes Jahr ein südkoreanisches Team den Titel. SKT siegte 2013, 2015 und 2016. Doch schon während dieser Zeit zeichnete sich ab, dass die Dominanz der koreanischen Liga nicht für immer andauern würde. Im Herbst 2014 zog es die ersten koreanischen Spieler in die chinesische Liga, gelockt durch hohe Gehälter. Immer mehr Talente folgten, und die Wanderbewegung wurde als „Korean Exodus“ bekannt. Faker blieb seiner Heimat treu. Dennoch hatte die Wanderbewegung Folgen: Ausgerechnet 2018, als die WM in Südkorea stattfand, erlebte die große E-Sport-Nation ein Debakel. Gen.G scheiterte als amtierender Weltmeister unter neuem Namen bereits in der Gruppenphase. Mit den Afreeca Freecs und KT Rolster verabschiedeten sich die übrigen südkoreanischen Teams im Viertelfinale. Am Ende gewann mit Invictus Gaming erstmals ein chinesisches Team den WM-Titel.

Das Trauma von Peking 2017

Wenn 2018 für Südkorea eine Blamage war, war es für Faker ein Fiasko. Nach dem verlorenen Finale 2017 war sein Team in der regulären Saison gestrauchelt, auch ins Spiel des Superstars schlichen sich ungekannte Fehler ein. SKT war erstmals seit 2014 überhaupt nicht bei der WM vertreten. Bei der WM 2017 in China lief zunächst alles wie gewohnt. Nach einem kleinen Wackler gegen die europäischen Außenseiter vom Team Misfits im Viertelfinale zog SKT durch einen Sieg gegen den Geheimfavoriten Royal Never Give Up ins Finale im „Bird‘s Nest“, dem Olympiastadion in Peking, ein. Doch statt den dritten Titel in Folge zu gewinnen, wurde das Spiel für Faker und sein Team zum Desaster. SKT verlor nicht nur erstmals ein WM-Finale, sondern ging gegen den koreanischen Gegner Samsung Galaxy regelrecht unter. Es war eine Niederlage mit Folgen. Faker, der Tränen in den Augen hatte, musste zusehen, wie seine Dominanz bröckelte.

Die Neuordnung der League-of-Legends-Welt

Doch das Finale von Peking war nicht nur ein Einschnitt für Faker und SKT, es hat die gesamte League-of-Legends-Welt durcheinandergebracht. Invictus brachte zwar die erste Dynastie zu Fall, an der Spitze behaupten konnte sich das Team jedoch nicht. Beim Mid-Season Invitational, dem ersten großen weltweiten Kräftemessen vor der WM, scheiterte Invictus überraschend im Halbfinale am nordamerikanischen Außenseiter Team Liquid. Mit G2 Esports triumphierte am Ende ein europäisches Team, nachdem es SKT im Halbfinale besiegt hatte. Mittlerweile scheint SKT das Trauma des WM-Finales 2017 verkraftet zu haben. Zur aktuellen Saison wurde um Faker herum ein neues Star-Team aufgebaut. Mit Erfolg: In der heimischen Liga ist SKT wieder erstarkt und qualifizierte sich als erstes Team für die WM in Europa.

Der ewige Thronfolger

Nun kehrt Faker erstmals auf die ganz große Bühne zurück. Nach wie vor ist er der Star der Szene, in diesem Jahr wählte ihn „Forbes“ unter Asiens 30 wichtigste Persönlichkeiten unter 30 Jahren. Doch ihm geht es noch immer vor allem um das Spiel. Deshalb will Faker bei der WM in Europa nicht nur den Titel gewinnen, er will der gesamten Welt zeigen, dass der Thron noch immer ihm gehört. Seine Karriere ist geprägt von Rekorden: die meisten Kills in der WM-Geschichte, die meisten Spiele auf höchstem Niveau, die meisten MVP-Auszeichnungen. Er ist der Maßstab, an dem sich alle messen. Die diesjährige WM in Europa – mit Spielstätten in Berlin, Madrid und Paris – bietet die perfekte Bühne für sein Comeback. Die Gegner sind stark: G2 Esports, Team Liquid, FunPlus Phoenix. Doch wer Faker kennt, weiß, dass er gerade dann aufblüht, wenn die Erwartungen am höchsten sind. Der Dämonenkönig ist zurück – und er ist hungrig.


Source: Spiegel News


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